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Warum lassen sich bei IVF oder ICSI nicht alle Eizellen befruchten?

Befruchtungsrate nach der Eizellentnahme – was ist normal und welche Ursachen gibt es?

Nach der Eizellentnahme (Follikelpunktion) ist die Spannung für viele Patientinnen groß: Wie viele Eizellen wurden gewonnen? Wie viele davon sind reif? Und wie viele konnten tatsächlich befruchtet werden?

Nicht selten folgt am nächsten Tag die Enttäuschung:

„Es wurden mehrere Eizellen gewonnen – warum haben sich nicht alle befruchten lassen?“

Diese Frage hören wir sehr häufig.

Kurz erklärt

Nicht jede gewonnene Eizelle ist automatisch reif oder für eine Befruchtung geeignet. Und auch eine reife Eizelle führt nicht zwangsläufig zu einer erfolgreichen Befruchtung.

Von der Anzahl der punktierten Follikel über die gewonnenen und reifen Eizellen bis hin zur Befruchtung und Embryonalentwicklung nimmt die Anzahl der Zellen häufig schrittweise ab. Das ist grundsätzlich Teil des normalen biologischen Verlaufs einer IVF- oder ICSI-Behandlung.


Gewonnene Eizellen sind nicht automatisch reife Eizellen

Nach der Follikelpunktion werden die gewonnenen Eizellen im Kinderwunschlabor untersucht und hinsichtlich ihres Reifestadiums beurteilt.

Dabei zeigt sich, dass sich nicht alle Eizellen im gleichen Entwicklungsstadium befinden.

Für eine ICSI sind insbesondere reife Eizellen im sogenannten MII-Stadium (Metaphase II) relevant. Nur eine reife Eizelle kann in der Regel für die direkte Spermieninjektion verwendet werden.

Deshalb können sich die Zahlen auf dem Weg von der Punktion bis zur Befruchtung unterscheiden:

punktierte Follikel → gewonnene Eizellen → reife Eizellen → befruchtete Eizellen → Embryonen → Blastozysten

Dass diese Zahlen nicht identisch sind, ist nicht ungewöhnlich.


Warum befruchtet sich eine reife Eizelle manchmal trotzdem nicht?

Auch wenn eine Eizelle reif ist, müssen zahlreiche biologische Prozesse funktionieren, damit eine normale Befruchtung entstehen kann.

Dabei können sowohl Faktoren der Eizelle als auch der Spermien eine Rolle spielen.

Mögliche Einflussfaktoren sind unter anderem:

  • Qualität und Entwicklungsfähigkeit der Eizelle
  • Reifestadium der Eizelle
  • Qualität und Funktion der Spermien
  • Alter und individuelle Voraussetzungen der Patientin
  • biologische Prozesse bei der Aktivierung der Eizelle
  • individuelle Besonderheiten des jeweiligen Behandlungszyklus

Nicht immer lässt sich im Nachhinein eindeutig feststellen, warum sich eine bestimmte Eizelle nicht befruchtet hat.

Das bedeutet auch: Eine einzelne nicht befruchtete Eizelle erlaubt keinen Rückschluss auf die gesamte Qualität der Behandlung.


Was ist der Unterschied zwischen IVF und ICSI bei der Befruchtung?

Bei der klassischen IVF (In-vitro-Fertilisation) werden Eizellen und aufbereitete Spermien im Labor zusammengebracht. Das Spermium muss anschließend selbstständig mit der Eizelle verschmelzen und die Befruchtung auslösen.

Bei der ICSI (Intrazytoplasmatischen Spermieninjektion) wird dagegen ein ausgewähltes Spermium mithilfe einer sehr feinen Injektionspipette direkt in eine reife Eizelle eingebracht.

Eine ICSI kann insbesondere bei bestimmten Einschränkungen der Spermien oder nach vorausgegangenen Befruchtungsproblemen eingesetzt werden.

Wichtig ist jedoch:

Auch eine ICSI kann eine erfolgreiche Befruchtung nicht garantieren.

Denn nach dem Einbringen des Spermiums müssen innerhalb der Eizelle weitere biologische Prozesse ablaufen, damit eine normale Befruchtung und anschließend eine Embryonalentwicklung entstehen können.


Wie hoch ist die Befruchtungsrate bei IVF und ICSI?

Viele Patientinnen wünschen sich nach der Eizellentnahme eine feste Prozentzahl und fragen beispielsweise:

„Wie viele Eizellen sollten sich normalerweise befruchten?“

Eine pauschale Befruchtungsrate lässt sich für den individuellen Behandlungszyklus jedoch nicht seriös vorhersagen.

Die Ergebnisse können unter anderem von folgenden Faktoren abhängen:

  • Anzahl der gewonnenen Eizellen
  • Reifegrad der Eizellen
  • Alter der Patientin
  • Eizellqualität
  • Spermienqualität und Spermienfaktoren
  • angewandte Befruchtungsmethode
  • individuelle medizinische Vorgeschichte

Außerdem ist es wichtig, zwischen gewonnenen Eizellen und reifen Eizellen zu unterscheiden. Eine Befruchtungsrate sollte daher immer im Zusammenhang mit der Anzahl der tatsächlich für die Befruchtung geeigneten Eizellen betrachtet werden.

Unser Embryologenteam beurteilt deshalb nicht nur eine einzelne Prozentzahl, sondern den gesamten Verlauf des jeweiligen Behandlungszyklus.


Was bedeutet eine niedrige Befruchtungsrate?

Wenn sich weniger Eizellen als erwartet befruchten, bedeutet dies nicht automatisch, dass eine weitere Kinderwunschbehandlung keine Aussicht auf Erfolg hat.

Entscheidend ist unter anderem, wie sich die erfolgreich befruchteten Eizellen anschließend weiterentwickeln.

Aus einer kleineren Anzahl befruchteter Eizellen können sich durchaus entwicklungsfähige Embryonen und Blastozysten entwickeln.

Deshalb sollte ein unerwartetes Befruchtungsergebnis immer im Zusammenhang mit dem gesamten Behandlungsverlauf betrachtet werden.


Was passiert, wenn sich keine Eizelle befruchtet?

Eine vollständige Befruchtungsstörung ist für betroffene Patientinnen und Paare verständlicherweise besonders belastend.

In diesem Fall sollte der gesamte Behandlungszyklus gemeinsam mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt und dem Embryologenteam ausgewertet werden.

Dabei können unter anderem folgende Aspekte betrachtet werden:

  • Reife und Qualität der gewonnenen Eizellen
  • Spermienparameter
  • verwendete Befruchtungsmethode
  • Anzahl der für die Befruchtung geeigneten Eizellen
  • bisheriger Verlauf der Kinderwunschbehandlung

Auf Grundlage dieser Analyse kann anschließend besprochen werden, ob bei einem weiteren Behandlungsversuch Änderungen oder zusätzliche Maßnahmen sinnvoll sein könnten.


Können zusätzliche Laborverfahren bei Befruchtungsproblemen helfen?

Bei wiederholt auffälligen Befruchtungsverläufen können in ausgewählten Situationen zusätzliche labormedizinische Verfahren oder Anpassungen der Behandlung diskutiert werden.

Welche Maßnahme tatsächlich sinnvoll ist, hängt jedoch von der individuellen Ursache und dem bisherigen Behandlungsverlauf ab.

Nicht jede Zusatzmethode ist für jede Patientin geeignet oder wissenschaftlich gleichermaßen gut belegt.

Deshalb sollte die Entscheidung immer gemeinsam mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt und dem Embryologenteam getroffen werden.


Kann die Befruchtung beim nächsten IVF- oder ICSI-Versuch besser sein?

Ja, die Ergebnisse verschiedener Behandlungszyklen können unterschiedlich ausfallen.

Ein einzelner IVF- oder ICSI-Zyklus zeigt deshalb nicht zwangsläufig, wie jeder weitere Versuch verlaufen wird.

Gerade nach einem unerwarteten Befruchtungsergebnis kann eine genaue Analyse des vorausgegangenen Zyklus wertvoll sein. Sie ermöglicht es dem Behandlungsteam, die weitere Vorgehensweise individuell zu planen.


Was passiert nach der Befruchtung?

Mit der Befruchtung ist die Behandlung noch nicht abgeschlossen.

Nach einer erfolgreichen Befruchtung beginnt die weitere Embryonalentwicklung. Die befruchtete Eizelle teilt sich und entwickelt sich über mehrere Stadien weiter.

Nicht jede befruchtete Eizelle entwickelt sich bis zu einem Embryo oder einer Blastozyste.

Deshalb ist es völlig normal, dass auch nach der Befruchtung die Anzahl der entwicklungsfähigen Embryonen weiter abnimmt.

Entscheidend ist letztlich nicht allein die ursprüngliche Anzahl der gewonnenen Eizellen, sondern die Entwicklung der einzelnen Embryonen.


Häufige Fragen zur Befruchtung nach IVF und ICSI

Warum lassen sich nicht alle Eizellen befruchten?

Nicht jede gewonnene Eizelle ist reif oder für eine Befruchtung geeignet. Außerdem müssen bei der Befruchtung zahlreiche biologische Prozesse funktionieren. Dabei können sowohl Faktoren der Eizelle als auch der Spermien eine Rolle spielen.

Wie viele Eizellen werden bei einer ICSI befruchtet?

Eine feste Anzahl lässt sich nicht vorhersagen. Entscheidend sind unter anderem die Anzahl der reifen Eizellen, ihre Qualität sowie verschiedene Faktoren auf Seiten der Spermien. Deshalb wird die Befruchtungsrate immer individuell betrachtet.

Ist es normal, dass sich nicht alle Eizellen befruchten?

Ja. Es ist biologisch nicht zu erwarten, dass sich jede gewonnene Eizelle erfolgreich befruchtet. Wichtig ist zunächst, wie viele der gewonnenen Eizellen tatsächlich reif und für die Befruchtung geeignet sind.

Was bedeutet es, wenn sich nur wenige Eizellen befruchten?

Eine geringe Anzahl befruchteter Eizellen bedeutet nicht automatisch, dass die Behandlung erfolglos sein wird. Entscheidend ist auch, wie sich die befruchteten Eizellen anschließend zu Embryonen und gegebenenfalls Blastozysten weiterentwickeln.

Was bedeutet es, wenn sich keine Eizelle befruchtet?

Wenn sich keine Eizelle befruchtet, sollte der Behandlungszyklus gemeinsam mit dem ärztlichen und embryologischen Team analysiert werden. Dabei können unter anderem die Eizellreife, Eizellqualität, Spermienparameter und die verwendete Befruchtungsmethode berücksichtigt werden.


Unser Rat

Lassen Sie sich nicht allein von der Zahl der befruchteten Eizellen entmutigen.

Von der Anzahl der Follikel über die gewonnenen und reifen Eizellen bis hin zu Befruchtung, Embryonalentwicklung und Blastozyste finden mehrere biologische Entwicklungsschritte statt.

Dass sich die Anzahl dabei schrittweise reduziert, ist grundsätzlich ein normaler Bestandteil einer IVF- oder ICSI-Behandlung.

Entscheidend ist deshalb immer die individuelle Beurteilung des gesamten Behandlungsverlaufs – und nicht eine einzelne Zahl.


Persönliche Betreuung für deutschsprachige Patientinnen und Patienten

Wenn Sie Fragen zur Befruchtung Ihrer Eizellen, zu IVF, ICSI, zur Embryonalentwicklung oder zu Ihrer bisherigen Kinderwunschbehandlung haben, begleiten wir Sie gern persönlich und transparent auf Ihrem Weg zum Wunschkind.

Monika Boyer
Deutsche Patientenbetreuung
IVOX Kinderwunschzentrum Nordzypern

Dieser Beitrag wurde in enger Zusammenarbeit mit unserem medizinischen Team erstellt und fachlich geprüft.

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